Nachhilfe - wissenschaftlich betrachtet

Nachhilfe in Graz wissenschaftlich erklärt

von tanja

Nachhilfe in Österreich - Wissenschaftlich aufgearbeitet

Wissenschaft & Nachhilfe – eine Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes in Österreich

 

Hintergrund

 

Bezahlte Nachhilfe ist im deutschsprachigen Raum und vor allem auch in Österreich fast nicht mehr wegzudenken. Lt. Einer Erhebung der Arbeiterkammer Österreich benötigen ca. 23% Schüler*innen pro Jahr Nachhilfe, was mit rund 94 Mio € an Ausgaben für Privathaushalte einhergeht.[1] Die Kosten für Nachhilfe pro Kopf lagen im Schuljahr 2016/17 bundesweit bei ca. € 680, in der Steiermark bei ca. € 610 pro Schuljahr. Allein im Sommer werden etwa € 450 pro Schüler investiert.

 

Stand der Forschung

 

Das Thema Nachhilfe findet erst seit einigen Jahren Eingang in den wissenschaftlichen Diskurs. Wenige bis keine Studien finden sich in Österreich, einige wenige im deutschsprachigen Raum insgesamt. Erste Erhebungen zum Nachhilfeverhalten finden sich ab den 1980er Jahren in der Forschung.[2] Die Studien werden von Forscher*innen im engeren Sinne veranlasst. Aber auch Auftragsforschung renommierter Nachhilfeinstitute ist wiederzufinden.

 

Die derzeit aktuellste und damit für diesen Artikel relevanteste Studie, wurde im Auftrag der Arbeiterkammer Wien im Jahr 2017 (IFES-Studie) durchgeführt. Insgesamt wurde eine Stichprobe von 3.435 Eltern-Haushalte gezogen, die mittels Telefoninterviews befragt wurden. Dabei ging es um insgesamt 5.683 Schüler*innen. Inhalte der Befragung lagen vor allem auf den Themen: Förderunterricht in der Schule, Zufriedenheit der Eltern mit der Betreuung, Gründe für Nachhilfe, Kosten für Nachhilfe, Nachhilfefächer, Bildungsgrad der Stichprobe etc. Eltern, deren Kinder die verschiedensten Schultypen besuchten, wurden interviewt (z.B. neue Mittelschule, Allgemein bildende höhere Schule, Berufsbildende mittlere und höhere Schule etc.) Die IFES Studie (2017, S. 6 f) hat zum Ergebnis, dass schulischer Förderunterricht gelegentlich von 55% der Schüler*innen besucht werde. Die Zufriedenheit der Eltern damit ist durchwegs gegeben. Der Bedarf an externer Nachhilfe ist dadurch vermindert. Ein weiteres Ergebnis ist, dass ca. 25% der Schüler*innen täglich Unterstützung der Eltern bei Hausaufgaben benötigen.

 

Eine Studie aus dem Jahr 2017 wurde vom LernQuadrat Niederösterreich durchgeführt und legte den Fokus auf die Erforschung von Nachhilfeverhalten.

 

Wesentliche Studienergebnisse

 

Nachhilfe in Österreich in Zahlen

 

Entsprechend der IFES Studie (S. 23) hat im Schuljahr 2016/17 fast ein Fünftel der Schüler*innen Nachhilfe im laufenden Schuljahr bezogen bzw. in den Sommerferien. Vorwiegend wurde bezahlte Nachhilfe beansprucht. Der Anteil der unbezahlten Nachhilfe lag dagegen nur bei 4 %. Rund 1% der österreichischen Schüler*innen beansprucht Gratisnachhilfe, wobei diese Schüler*innen dann keine bezahlte Nachhilfe zusätzlich beanspruchen. In absoluten Zahlen bedeutet das also, dass ca. 138.000 SchülerInnen im Untersuchungszeitraum bezahlte Nachhilfe beansprucht haben, während das nur bei rund 40.000 bezogen auf Gratisnachhilfe der Fall war. Ein bedeutendes Ergebnis liefert die IFES Studie auch dahingehend, dass nur im Volksschulalter der Anteil an Schüler*innen, die Nachhilfe beanspruchen, im einstelligen Bereich liegt (IFES S. 25).

 

Insgesamt beanspruchen bezahlte Nachhilfe gerade jene, die es sich nur schwer leisten können. So etwa bildungsferne Schichten und Menschen mit Migrationshintergrund (S.27). In diesem Zusammenhang ergab sich, dass 37% der Schüler*innen, deren Eltern lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügten, Nachhilfe beanspruchten (IFES S.29).

 

Nachhilfefächer waren mit der überwiegenden Mehrheit von 62% Mathematik und Fremdsprachen mit knapp über 20%. Der Rest entfiel auf kaufmännische Fächer, naturwissenschaftliche Fächer und andere. Diese Zahlen lassen sich auch aus eigener Erfahrung der Autorin bestätigen.

 

Die Motive, externe Nachhilfe zu beanspruchen, lagen vor allem darin, die Note verbessern zu wollen (50%) oder darin die Nachprüfung zu bewältigen oder eine negative Note auszubessern (IFES S. 38).

 

5% jener Schüler*innen, die bezahlte externe Nachhilfe benötigen wurden, haben diese aus finanziellen Gründen nicht erhalten. (IFES S. 40)

 

Zur Thematik, wie der Lehrstoff besser verstanden werden könnte, führen die befragten Eltern an, dass der Unterricht in den Schulen verständlicher gestaltet werden sollte, kostenlose Nachhilfeangebote existieren sollte, generell mehr Förderunterricht angeboten werden sollte (IFES S. 50 mwN).

 

[1][1] https://www.arbeiterkammer.at/infopool/wien/Nachhilfe_in_Oesterreich_2017.pdf.

[2] IFES 2017.

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